Wann meldet sich die Führerscheinstelle wegen MPU?

Ein gelbes Postauto mit der Aufschrift 'MPU-Post' steht vor einer Führerscheinstelle. Ein Postbote steht daneben mit Unterlagen.

Inhalt auf dieser Seite

Wann meldet sich die Führerscheinstelle wegen MPU – diese Frage stellen sich viele nach einem Verkehrsverstoß. Der Führerschein ist weg, die Strafe ausgesprochen und nun beginnt eine Phase voller Ungewissheit. Kommt das Schreiben schon nach wenigen Wochen oder kann es Monate dauern, bis etwas passiert?

In dieser Zeit schwanken viele zwischen Hoffnung und Anspannung. Manche rechnen täglich mit Post, andere glauben, dass vielleicht gar nichts mehr kommt. Doch irgendwann liegt dann doch ein offizieller Brief im Kasten mit der Aufforderung, die eigene Fahreignung prüfen zu lassen.

In diesem Beitrag erfahren Sie, wie der Ablauf in der Praxis aussieht, wann die Führerscheinstelle aktiv wird und welche Faktoren den Zeitpunkt beeinflussen.

Was Wichtigste in Kürze

  • Gerichtsurteil und MPU:
    Im Urteil oder Strafbefehl steht in der Regel nichts von einer MPU. Das Gericht entscheidet ausschließlich über Strafe, Entzug der Fahrerlaubnis und Sperrfrist. Ob später eine MPU nötig ist, prüft ausschließlich die Führerscheinstelle, sobald die Akten dort eingetroffen sind.
  • MPU nach Führerscheinentzug:
    Wenn der Führerschein bereits entzogen wurde, wird die Behörde in den meisten Fällen erst nach einem offiziell gestellten Antrag auf Wiedererteilung aktiv. Ohne diesen Antrag bleibt das Verfahren über längere Zeit ruhend.
  • MPU ohne Führerscheinentzug:
    Auch ohne vorherigen Führerscheinentzug kann eine MPU angeordnet werden, etwa bei regelmäßigem Drogenkonsum ohne direkte Teilnahme am Straßenverkehr oder bei gesundheitlichen oder psychischen Zweifeln an der Fahreignung.
  • Sperrfrist und Antrag:
    Während der Sperrfrist darf keine neue Fahrerlaubnis erteilt werden. Der Antrag auf Wiedererteilung kann in der Regel etwa drei bis sechs Monate vor Ablauf der Sperrfrist gestellt werden, um Verzögerungen bei der Bearbeitung zu vermeiden.

Warum meldet sich die Führerscheinstelle wegen einer MPU?

Bevor sich die Führerscheinstelle meldet, läuft im Hintergrund bereits ein festgelegter Verwaltungsprozess. Die Behörde prüft, ob Zweifel an der Fahreignung bestehen. Diese Zweifel können aus ganz unterschiedlichen Gründen entstehen, etwa durch eine Trunkenheitsfahrt, den Konsum von Drogen, zu viele Punkte im Fahreignungsregister oder auffälliges Verhalten im Straßenverkehr.

Sobald ein solcher Hinweis vorliegt, wird die Akte geprüft. Dabei stützt sich die Behörde auf die Fahrerlaubnis-Verordnung (FeV), insbesondere auf § 11, der die Eignungsprüfung regelt. Das Ziel ist, die Verkehrssicherheit zu gewährleisten und nur Personen fahren zu lassen, die körperlich, geistig und charakterlich geeignet sind.

Unterschied zwischen Strafe und Fahreignungsprüfung

Ein häufiger Irrtum besteht darin, die gerichtliche Strafe mit der Entscheidung der Führerscheinstelle gleichzusetzen. Während das Gericht oder die Polizei über die rechtlichen Folgen des Delikts entscheidet, prüft die Führerscheinstelle separat, ob jemand künftig wieder ein Fahrzeug führen darf. Eine MPU wird also nicht automatisch verhängt, sondern erst, wenn die Behörde den Verdacht hat, dass Zweifel an der Fahreignung bestehen.

Typische Gründe für eine MPU-Aufforderung

  1. MPU wegen Alkohol: Ab einem Blutalkoholwert von 1,6 Promille oder bei wiederholten Verstößen kann die Behörde eine MPU verlangen.
  2. MPU wegen Drogen: Bereits einmaliger Konsum von harten Drogen oder wiederholter Cannabiskonsum kann Anlass für eine MPU sein.
  3. MPU wegen Punkten: Wer 8 Punkte erreicht, gilt als ungeeignet zum Führen von Fahrzeugen.
  4. MPU wegen Straftaten: Auch Straftaten mit Bezug zum Straßenverkehr, etwa Nötigung oder Unfallflucht, können zur MPU führen.

Wann die Prüfung eingeleitet wird

Erst wenn der Bußgeldbescheid oder das Gerichtsurteil rechtskräftig ist, kann die Führerscheinstelle aktiv werden. Dann werden die Akten angefordert, geprüft und gegebenenfalls ein Verfahren zur Fahreignungsüberprüfung eröffnet. In diesem Moment entscheidet sich, ob ein Schreiben zur MPU folgt oder nicht.

Wann meldet sich die Führerscheinstelle wegen MPU?

Eine gesetzlich festgelegte Frist gibt es nicht. Wann sich die Führerscheinstelle meldet, hängt von mehreren Faktoren ab, etwa von der Bearbeitungsgeschwindigkeit der beteiligten Behörden, der Komplexität des Falls und dem Zeitpunkt, an dem ein Urteil oder Bußgeldbescheid rechtskräftig wird.

Wenn der Führerschein bereits entzogen wurde

Wurde die Fahrerlaubnis entzogen, wird die Behörde erst wieder aktiv, wenn ein Antrag auf Neuerteilung gestellt wird. Bis dahin ruht das Verfahren. Viele gehen in dieser Zeit davon aus, dass keine MPU mehr kommt, doch das ist ein Irrtum. Sobald der Antrag eingeht, prüft die Behörde die Akte und fordert gegebenenfalls ein medizinisch psychologisches Gutachten an. Wer also keinen Antrag stellt, bleibt oft monatelang ohne Nachricht, weil schlicht kein Verfahren läuft.

Wenn der Führerschein noch vorhanden ist

In bestimmten Fällen kann die Führerscheinstelle auch eine MPU anordnen, ohne dass der Führerschein zuvor entzogen wurde. Das passiert, wenn Zweifel an der Fahreignung bestehen, aber noch kein Entzugsverfahren eingeleitet wurde – etwa bei Drogenkonsum ohne direkte Verkehrsteilnahme oder bei psychischen oder gesundheitlichen Auffälligkeiten. Die Behörde fordert dann ein Gutachten zur Klärung an. Wird dieses nicht fristgerecht vorgelegt, kann die Fahrerlaubnis nach § 11 Absatz 8 FeV entzogen werden, auch ohne vorherige gerichtliche Entscheidung.

Einfluss der Sperrfrist

Nach einem Führerscheinentzug verhängt das Gericht in den meisten Fällen eine Sperrfrist. Diese Zeitspanne dient dazu, sicherzustellen, dass zwischen dem Verkehrsverstoß und einer möglichen Wiedererteilung genügend Abstand liegt. Während der Sperrfrist darf keine neue Fahrerlaubnis erteilt werden. Erst wenn sie abgelaufen ist, kann bei der Führerscheinstelle ein Antrag auf Neuerteilung gestellt werden. In diesem Zusammenhang prüft die Behörde, ob eine MPU Voraussetzung für die Rückgabe des Führerscheins ist.

Die Länge der Sperrfrist richtet sich nach der Schwere des Delikts und dem individuellen Verhalten des Fahrers. Nach einer einmaligen Trunkenheitsfahrt liegt sie in der Regel zwischen sechs und zwölf Monaten. Bei wiederholten oder besonders gravierenden Verstößen kann sie deutlich länger dauern, in Einzelfällen sogar bis zu fünf Jahre.

Während dieser Zeit meldet sich die Führerscheinstelle normalerweise nicht von selbst, da erst nach Ablauf der Sperrfrist erneut über die Fahreignung entschieden wird. Wer frühzeitig aktiv wird, kann jedoch wertvolle Zeit sparen. Denn der Antrag auf Wiedererteilung darf meist bereits drei bis sechs Monate vor Ende der Sperrfrist gestellt werden. In Städten mit langen Bearbeitungszeiten, wie etwa Berlin, ist eine frühere Antragstellung sogar ausdrücklich empfohlen, um Verzögerungen bei der Bearbeitung zu vermeiden.

Beispiel: Alkoholfahrt mit 1,8 Promille

Nach einer nächtlichen Kontrolle wurde bei Herrn M. ein Blutalkoholwert von 1,8 Promille festgestellt. Der Führerschein wurde direkt entzogen, und das Gericht setzte eine Sperrfrist von neun Monaten fest. Etwa zwei Monate vor Ablauf dieser Frist stellte Herr M. den Antrag auf Wiedererteilung. Knapp sechs Wochen später erhielt er Post von der Führerscheinstelle mit der Ankündigung, dass für die Neuerteilung ein medizinisch psychologisches Gutachten erforderlich sei. Dieses Beispiel zeigt, dass sich die Behörde erst nach dem Antrag auf Neuerteilung meldet und nicht automatisch nach dem Entzug des Führerscheins.

Beispiel: Mehr als acht Punkte in Flensburg

Herr K. hatte innerhalb von zwei Jahren neun Punkte im Fahreignungsregister gesammelt, unter anderem durch wiederholte Geschwindigkeitsüberschreitungen und eine rote Ampel. Etwa drei Monate nach dem letzten rechtskräftigen Bußgeldbescheid erhielt er ein Schreiben der Führerscheinstelle mit der Aufforderung, seine Fahreignung durch eine MPU nachzuweisen. In seinem Fall dauerte es länger, weil die Punkte erst vollständig im Register eingetragen werden mussten. Das Beispiel verdeutlicht, dass sich die Führerscheinstelle bei Punktedelikten häufig erst nach vollständiger Aktenprüfung meldet.

Widerspruch gegen die MPU-Anordnung?

Ob es sinnvoll ist, einen Anwalt hinzuzuziehen, hängt stark von Ihrer individuellen Situation ab. Ein Anwalt kann in bestimmten Fällen Vorteile bringen, in anderen eher wenig bewirken. Im Folgenden skizziere ich, wann ein rechtlicher Beistand sinnvoll sein kann und worauf Sie achten sollten.

Wann ein Anwalt hilfreich sein kann

  1. Prüfung von Verfahrensfehlern und Akteneinsicht
    Ein spezialisierter Verkehrsrechtsanwalt kann Ihre Fahreignungsakte bei der Führerscheinstelle oder dem Gericht einfordern. Dadurch lassen sich mögliche Fehler, Lücken oder unzulässige Annahmen erkennen – zum Beispiel, wenn wichtige Beweise nicht berücksichtigt wurden oder gesetzliche Fristen nicht eingehalten wurden.
  2. Einspruch oder Widerspruch gegen Entzug oder Ablehnung
    Gelegentlich besteht eine Rechtsmöglichkeit gegen den Entzug der Fahrerlaubnis oder gegen eine Ablehnung der Neuerteilung. Ein Anwalt kann prüfen, ob ein Einspruch oder eine Beschwerde sinnvoll ist und entsprechende Schritte fristgerecht einleiten.
  3. Prüfung von Gutachten und Anfechtung
    Hat ein Gutachten ein negatives Ergebnis, kann ein Anwalt helfen, es formal auf mögliche Fehler zu prüfen (z. B. fehlerhafte Datengrundlage, methodische Mängel). Ob damit eine Anfechtung Erfolg hat, hängt vom Einzelfall ab.

Grenzen der anwaltlichen Hilfe

  • MPU-Anordnung selbst nicht angreifbar
    Die MPU-Anordnung gilt rechtlich als vorbereitende Maßnahme und ist deshalb grundsätzlich nicht direkt anfechtbar. Selbst ein Anwalt kann nicht verhindern, dass die Behörde ein Gutachten verlangt, wenn die gesetzlichen Voraussetzungen vorliegen.
  • Kosten und Aufwand
    Ein juristisches Verfahren kann kostspielig und langwierig sein. Wenn Ihre Erfolgsaussichten gering sind, kann die Entscheidung für einen Anwalt mehr Belastung bringen als Nutzen. In Fällen, in denen klar ist, dass Sie die MPU ohnehin absolvieren müssen, ist eine fundierte MPU-Vorbereitung oft die effizientere Investition.

Beispiel einer sinnvollen anwaltlichen Intervention

Herr K. hatte seinen Führerschein entzogen wegen einer Trunkenheitsfahrt und musste eine MPU machen. Er zweifelte daran, dass das Gutachten korrekt bewertet wurde. Er beauftragte einen Verkehrsrechtsanwalt, der Einsicht in die Akte und das Gutachten nahm. Es zeigte sich, dass eine entscheidende labormedizinische Analyse fehlte, die zu einem milderen Ergebnis hätte führen können. Mit anwaltlicher Unterstützung konnte er Einspruch gegen den Führerscheinentzug einlegen, das Verfahren verzögern und besser vorbereitet in die MPU gehen.

Weitere Informationen finden Sie in unserem Ratgeber Anwalt MPU – Wann ein Rechtsanwalt wirklich hilft.

Fazit

Wann sich die Führerscheinstelle wegen einer MPU meldet, lässt sich nicht pauschal sagen. In der Regel geschieht dies ein bis drei Monate nach Rechtskraft des Urteils oder Bußgeldbescheids, sobald alle Unterlagen vorliegen und die Akte geprüft wurde. Wenn der Führerschein bereits entzogen ist, erfolgt die Kontaktaufnahme erst nach einem Antrag auf Wiedererteilung.

Die Dauer hängt also weniger von festen Fristen ab, sondern vielmehr vom Verwaltungsablauf und der Eigeninitiative des Betroffenen. Wer frühzeitig handelt, kann den gesamten Prozess deutlich verkürzen. Dazu gehört, sich rechtzeitig zu informieren, Abstinenznachweise aufzubauen und gegebenenfalls schon vor Ende der Sperrfrist mit der Vorbereitung auf die MPU zu beginnen.

Wer hingegen abwartet, bis ein Schreiben eintrifft, riskiert vermeidbare Verzögerungen. Gerade in Großstädten mit langen Bearbeitungszeiten kann der Antrag auf Wiedererteilung schon mehrere Monate vor Ablauf der Sperrfrist gestellt werden.

Brauchen Sie Unterstützung?

Unser Expertenteam von MPU-Doktor hilft Ihnen, Ihre MPU erfolgreich zu bestehen – mit kostenloser, unverbindlicher Beratung und einem maßgeschneiderten Angebot.

Kostenlos anfragen

Am Ende gilt: Je früher Sie sich aktiv um Ihre Wiedererteilung kümmern, desto besser sind Ihre Chancen, schnell und erfolgreich durch die MPU zu kommen und Ihren Führerschein ohne weitere Hürden zurückzubekommen.

FAQ zu “Wann meldet sich die Führerscheinstelle wegen MPU?”

Wann meldet sich die Führerscheinstelle wegen MPU?

In der Regel zwischen einem und drei Monaten nach Rechtskraft des Urteils oder Bußgeldbescheids. Die Behörde wartet auf vollständige Akten und prüft dann, ob eine MPU erforderlich ist. Verzögerungen sind möglich, wenn Unterlagen fehlen oder mehrere Stellen beteiligt sind.

Meldet sich die Führerscheinstelle auch ohne Führerscheinentzug

Ja. Wenn Zweifel an der Fahreignung bestehen, kann die Behörde ein Gutachten verlangen, obwohl der Führerschein noch vorhanden ist. Wer die Frist verstreichen lässt oder kein Gutachten vorlegt, riskiert den Entzug nach § 11 Abs. 8 FeV.

Was passiert, wenn bereits ein Entzug vorliegt

Dann wird die Behörde erst wieder aktiv, wenn ein Antrag auf Neuerteilung gestellt wird. Ohne Antrag passiert oft monatelang nichts, weil kein Verfahren läuft.

Was bedeutet die Sperrfrist und wann darf der Antrag gestellt werden

Während der Sperrfrist wird keine neue Fahrerlaubnis erteilt. Der Antrag auf Wiedererteilung ist meist drei bis sechs Monate vor Fristende möglich. In Regionen mit langen Bearbeitungszeiten kann eine frühere Antragstellung sinnvoll sein.

Brauche ich einen Abstinenznachweis

Das hängt von der Fragestellung ab. Bei Alkohol mit hoher BAK oder bei Drogen ist ein belegbarer Zeitraum ohne Konsum oft entscheidend. Ohne belastbare Nachweise sinken die Erfolgsaussichten erheblich.

Kann ich die Begutachtungsstelle frei wählen

Ja. Sie dürfen jede anerkannte Begutachtungsstelle für Fahreignung wählen. Achten Sie auf Erreichbarkeit, Wartezeiten und ob medizinische und psychologische Termine gut aufeinander abgestimmt werden können.

Was steht in dem Schreiben der Führerscheinstelle

Begründung der MPU Anordnung, die rechtliche Grundlage, die konkrete Fragestellung sowie eine Frist zur Vorlage des Gutachtens. Diese Frist ist verbindlich und sollte eingehalten werden.

Was, wenn innerhalb von drei Monaten kein Schreiben kommt

Das ist möglich. Gründe sind unvollständige Akten, Auslastung oder offene Verfahren. Bei bereits entzogenem Führerschein empfiehlt sich der rechtzeitige Antrag auf Neuerteilung, damit die Prüfung startet.

Mini-Quiz: Wann meldet sich die Führerscheinstelle wegen MPU?

1) Was ist der Auslöser für Post der Behörde, wenn der Führerschein bereits entzogen wurde
2) Kann eine MPU auch ohne vorherigen Führerscheinentzug angeordnet werden
3) Was gilt in Bezug auf die Sperrfrist und den richtigen Zeitpunkt für den Antrag
4) Wie reagieren Sie richtig, wenn das Schreiben der Führerscheinstelle eintrifft

Über den Autor

Die neuesten Beiträge aus unserem Ratgeber