Die Suchtberatung ist ein professionelles Unterstützungsangebot für Menschen, die problembelasteten Konsum von Alkohol, Drogen oder Medikamenten aufweisen – sei es in Form von Abhängigkeit, Missbrauch oder gefährlichem Gebrauch. Ziel ist es, die Betroffenen dabei zu unterstützen, ihren Konsum zu hinterfragen, Veränderungsprozesse anzustoßen und geeignete Maßnahmen zur Stabilisierung ihres Lebensalltags einzuleiten.
Im Unterschied zu einer Therapie steht bei der Suchtberatung zunächst Information, Motivation und Orientierung im Vordergrund. Dabei geht es nicht zwingend um Abstinenz, sondern um eine individuell passende Lösung – kontrollierter Konsum kann ebenso Thema sein wie Entgiftung, Therapie oder Nachsorge.
Inhalte und Ablauf einer Suchtberatung
Eine professionelle Suchtberatung umfasst mehrere Elemente:
- Erstgespräch und Anamnese: Klärung der aktuellen Situation, Konsummuster, Lebensumstände
- Reflexion des Konsums: Einschätzung des eigenen Verhaltens und möglicher Risiken
- Motivationsarbeit: Entwicklung von Veränderungszielen und Unterstützung bei der Entscheidungsfindung
- Vermittlung weiterer Hilfen: z. B. Entgiftung, ambulante oder stationäre Therapie, Selbsthilfegruppen
- Begleitung im Veränderungsprozess: Krisenintervention, Rückfallprophylaxe, Stabilisierung
Suchtberatung wird in der Regel kostenfrei und vertraulich angeboten – z. B. durch kommunale Stellen, gemeinnützige Träger, Fachambulanzen oder spezialisierte Einrichtungen.
Bedeutung für die MPU
Für Personen, die wegen Alkohol- oder Drogenkonsum zur MPU müssen, ist eine qualifizierte Suchtberatung oft ein entscheidender Baustein im Wiedererteilungsverfahren. Das gilt vor allem dann, wenn:
- eine Abhängigkeit oder ein problematisches Konsummuster vorliegt oder vermutet wird
- eine stationäre oder ambulante Therapie durchgeführt wurde oder bevorsteht
- eine dauerhafte Abstinenz nachzuweisen und zu begründen ist
- der Gutachter eine tiefergehende Auseinandersetzung mit dem eigenen Konsumverhalten erwartet
Gutachterinnen und Gutachter der MPU werten die Teilnahme an einer Suchtberatung als positives Zeichen von Veränderungsbereitschaft und Eigenverantwortung – vorausgesetzt, sie wurde freiwillig, reflektiert und aktiv durchlaufen.
Suchtberatung als Ergänzung zur MPU-Beratung
Die Suchtberatung ersetzt keine MPU-spezifische Vorbereitung, kann diese aber wirkungsvoll ergänzen. Während die MPU-Beratung gezielt auf die Begutachtungssituation vorbereitet (Fragen, Struktur, Selbstpräsentation), hilft die Suchtberatung, tiefere Ursachen des problematischen Konsums zu erkennen und zu bearbeiten. Besonders hilfreich ist die Kombination dann, wenn:
- es Hinweise auf Alkoholabhängigkeit (Hypothese A1) oder Drogenabhängigkeit gibt
- der Betroffene bereits eine Therapie gemacht hat, aber Rückfallprävention benötigt
- das eigene Konsumverhalten noch nicht vollständig reflektiert oder stabil verändert ist
In solchen Fällen empfehlen viele MPU-Experten, die Suchtberatung als zusätzliche Unterstützung in Anspruch zu nehmen – sowohl für die eigene Entwicklung als auch zur Untermauerung eines positiven Gesamteindrucks im Gutachten.
Wo findet man Hilfe?
In ganz Deutschland gibt es ein dichtes Netz an Suchtberatungsstellen, die von kommunalen Behörden, Wohlfahrtsverbänden oder spezialisierten Trägern betrieben werden. Erste Anlaufstellen sind häufig:
- Caritas, Diakonie, AWO, DRK
- städtische Gesundheitsämter
- Fachambulanzen für Suchtkranke
- Suchtberatungsstellen in größeren Kliniken
Die Beratungen sind meist anonym, kostenfrei und niederschwellig zugänglich. Auch Angehörige können sich dort Unterstützung holen.
Voraussetzungen für eine positive MPU-Bewertung
Wer sich mithilfe einer Suchtberatung auf die MPU vorbereitet, sollte beachten:
- Die Beratung muss eigenverantwortlich und freiwillig erfolgen – reine „Pflichterfüllung“ wird meist durchschaut.
- Es empfiehlt sich, eine Teilnahmebescheinigung mit Inhalten und Umfang der Beratung zu erbitten – möglichst mit Einschätzung zur Mitarbeit.
- Der Betroffene sollte die Beratung auch im MPU-Gespräch benennen und reflektieren können: Was hat man gelernt? Was hat sich verändert?
Gutachter erkennen schnell, ob eine Beratung tiefgreifend und glaubwürdig war – oder nur „pro forma“ aufgesucht wurde.
Fazit
Eine qualifizierte Suchtberatung kann im Rahmen der MPU ein wertvoller Baustein sein – insbesondere bei Alkohol- oder Drogenfragestellungen. Sie unterstützt nicht nur bei der Veränderung des eigenen Konsumverhaltens, sondern zeigt dem Gutachter auch: Der Betroffene übernimmt Verantwortung, sucht Hilfe und arbeitet ernsthaft an seiner persönlichen Stabilisierung.
In Kombination mit einer fundierten MPU-Beratung bietet die Suchtberatung eine wichtige Grundlage für ein positives MPU-Gutachten und damit den Weg zurück zur Fahrerlaubnis.
