Häufigkeit der MPU

Wann wird eine MPU angeordnet?

Die medizinisch-psychologische Untersuchung (MPU) wird angeordnet, wenn aus Sicht der Fahrerlaubnisbehörde Zweifel an der Fahreignung bestehen. Die Anordnung erfolgt nicht automatisch, sondern als individuelle Maßnahme, die auf bestimmten gesetzlichen Grundlagen basiert – insbesondere § 11 und § 13 der Fahrerlaubnis-Verordnung (FeV).

Typische Anlässe für eine MPU sind: Alkohol- oder Drogenfahrten, hohes Punktaufkommen im Fahreignungsregister, wiederholtes aggressives oder gefährdendes Verhalten im Straßenverkehr oder Straftaten, die Rückschlüsse auf charakterliche Eignungsmängel zulassen. Die MPU dient in diesen Fällen dazu, die Eignung zum Führen von Fahrzeugen neu zu prüfen – medizinisch, psychologisch und ggf. auch verkehrstechnisch.

Wie häufig wird die MPU in Deutschland angeordnet?

Die Zahl der jährlich angeordneten MPUs ist seit Jahrzehnten ein Indikator dafür, wie streng das System in Deutschland mit Fahrverhaltensauffälligkeiten umgeht. In den letzten Jahren wurden in Deutschland zwischen 80.000 und 100.000 MPUs pro Jahr durchgeführt – mit leichten Schwankungen abhängig von gesetzlichen Änderungen, Verkehrslage und gesellschaftlichen Entwicklungen.

Aktuelle Entwicklung

Laut Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) liegt der Anteil der Alkoholfragestellungen weiterhin am höchsten – über 40 % aller MPUs basieren auf Alkoholdelikten. Dicht gefolgt von Drogenfragestellungen, die seit Jahren deutlich zunehmen. Der Anteil der verhaltensbedingten (z. B. Punkte oder Aggressionen) MPUs liegt bei etwa 20–25 %.

Diese Zahlen zeigen: Die MPU ist keine Seltenheit. Jeder, der im Straßenverkehr schwerwiegend auffällt, kann betroffen sein – und im Einzelfall auch mehrfach.

Kann eine MPU mehrmals angeordnet werden?

Ja. Die MPU ist keine einmalige Angelegenheit. Wer einmal auffällig wurde und nach einer positiven MPU seinen Führerschein zurückerhält, muss bei erneutem Fehlverhalten erneut mit einer Anordnung rechnen – und diese fällt beim zweiten Mal meist strenger aus.

Wiederholte MPU nach Rückfall

Wer nach bestandener MPU erneut durch Alkohol, Drogen oder massive Verkehrsverstöße auffällt, bekommt die MPU nicht erlassen, sondern muss erneut ein vollständiges Gutachten vorlegen. Die Fahrerlaubnisbehörde wird in solchen Fällen besonders kritisch prüfen, ob die beim ersten Mal dargestellte Verhaltensänderung tatsächlich tragfähig war – oder nur kurzfristig.

Typische Beispiele:

  • Erneuter Alkoholverstoß nach bereits bestandener Alkohol-MPU
  • Drogenrückfall nach positiver MPU und belegter Abstinenz
  • erneute Punkteauffälligkeit nach bereits durchgeführtem Punkte-MPU-Verfahren

Je häufiger jemand negativ auffällt, desto höher die Anforderungen in der nächsten MPU – insbesondere an die psychologische Aufarbeitung und die Dauer des Abstinenznachweises.

Wie oft bestehen Betroffene die MPU beim ersten Mal?

Die Durchfallquote bei der MPU ist nach wie vor hoch. Je nach Fragestellung und Vorbereitung bestehen nur etwa 50–60 % der Betroffenen beim ersten Versuch. Besonders hoch sind die Durchfallquoten bei Alkohol- und Drogenfragestellungen, wenn keine ausreichende Abstinenz oder glaubhafte Verhaltensänderung nachgewiesen werden kann.

Faktoren für ein Scheitern

  • fehlender oder unzureichender Abstinenznachweis
  • unreflektierte Darstellung der Vorgeschichte
  • mangelnde Vorbereitung auf typische Gutachterfragen
  • bagatellisierender Umgang mit dem früheren Fehlverhalten
  • unehrliche oder widersprüchliche Angaben

Viele Betroffene glauben, man könne die MPU „einfach bestehen“, ohne sich gezielt vorzubereiten. Das Gegenteil ist der Fall: Die MPU ist ein komplexes Verfahren, das tiefgehende Aufarbeitung und klare Verhaltensänderung verlangt – insbesondere beim zweiten Anlauf. Aus diesem Grund ist die Inanspruchnahme einer profesionelle MPU-Beratung unausweichlich.

Fazit

Die Häufigkeit der MPU in Deutschland zeigt, dass diese Maßnahme keineswegs die Ausnahme ist. Jährlich treffen Zehntausende Verkehrsteilnehmer auf die Anforderungen der MPU – oft als Folge schwerer Fehlentscheidungen im Straßenverkehr. Wer einmal auffällt, kann wieder betroffen sein. Und wer unvorbereitet zur Begutachtung erscheint, riskiert ein negatives Gutachten mit weitreichenden Konsequenzen.

Deshalb gilt: Die MPU ist ein realistisches, aber anspruchsvolles Verfahren. Wer die Hintergründe kennt, sich ehrlich mit der eigenen Geschichte auseinandersetzt und frühzeitig professionelle Unterstützung sucht, hat gute Chancen auf ein positives Gutachten – selbst nach mehreren Anordnungen.

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