Zuletzt aktualisiert am 8. April 2025
Die Blutuntersuchung ist eine wichtige medizinisch-toxikologische Maßnahme im Zusammenhang mit der medizinisch-psychologischen Untersuchung (MPU). Sie dient dazu, den Konsum von Alkohol, Drogen oder Medikamenten objektiv nachzuweisen – oder auszuschließen. Eine Laboranalyse des Blutes liefert präzise Werte über akute oder länger zurückliegende Substanzaufnahmen und ist insbesondere bei verkehrsrechtlichen Auffälligkeiten entscheidend für die Einschätzung der Fahreignung.
Blutuntersuchungen kommen sowohl im Rahmen von polizeilichen Kontrollen als auch bei der MPU-Vorbereitung oder Begutachtung selbst zum Einsatz.
Wann wird eine Blutuntersuchung durchgeführt?
Eine Blutuntersuchung kann in folgenden Situationen angeordnet oder erforderlich sein:
- nach einer Verkehrskontrolle, wenn ein Alkohol- oder Drogenverdacht besteht
- zur medizinischen Beurteilung im MPU-Verfahren
- zur Abklärung von körperlichen Folgen eines möglichen Missbrauchs
- als Teil eines Abstinenznachweises, z. B. zur Überprüfung der Leberwerte
Die rechtliche Grundlage für die Blutentnahme im Verkehrskontext ergibt sich aus § 81a StPO in Verbindung mit § 24a StVG (für Alkohol und Drogen im Straßenverkehr). Bei medizinischen Untersuchungen im Rahmen der MPU basiert die Anordnung auf § 11 FeV.
Was wird bei der Blutuntersuchung geprüft?
Welche Werte genau bestimmt werden, hängt vom Anlass ab. Häufige Parameter sind:
- Alkoholkonzentration im Blut (BAK, in ‰)
- Leberwerte: Gamma-GT, GPT, GOT – zur Einschätzung früheren Alkoholkonsums
- Carbohydrat-defizientes Transferrin (CDT) – ein Langzeitmarker für chronischen Alkoholkonsum
- Drogenrückstände wie THC, Benzoylecgonin (Cocain), Amphetamin, Methadon etc.
- Medikamentenspiegel, z. B. bei Psychopharmaka oder Schmerzmitteln
Bei der MPU geht es nicht nur um das akute Vorliegen von Substanzen, sondern auch um Hinweise auf Missbrauch oder Abhängigkeit, etwa durch dauerhaft erhöhte Leberwerte oder auffällige Blutprofile.
Rolle der Blutuntersuchung bei der MPU
Blutanalysen dienen in der MPU vor allem dazu, die medizinische Fahreignung zu beurteilen. Zeigen sich Hinweise auf körperliche Schäden durch Alkohol oder Drogen, kann das ein Zeichen für eine Abhängigkeitserkrankung sein – mit weitreichenden Folgen für die Eignung.
Gerade bei Alkoholfahrten mit hohen Promillewerten oder wiederholtem Konsum wird die Beurteilung der Leberwerte ein zentrales Element des medizinischen Gutachtens. Auch im Zusammenhang mit Medikamentenkonsum oder psychischen Erkrankungen können Blutwerte eine Rolle spielen.
Wichtig: Eine Blutuntersuchung ersetzt nicht automatisch einen Abstinenznachweis nach CTU-Kriterien – kann aber unterstützend zur Einschätzung beitragen.
Was bedeutet ein auffälliger Befund?
Ein erhöhter CDT-Wert oder dauerhaft schlechte Leberwerte deuten auf regelmäßigen oder übermäßigen Alkoholkonsum hin – auch wenn aktuell kein Alkohol im Blut nachweisbar ist. Bei Drogen können selbst kleinste Spuren relevant sein, da für bestimmte Substanzen Null-Toleranz gilt. Wer mit auffälligen Werten zur MPU geht, muss besonders überzeugend aufzeigen, dass eine Verhaltensänderung stattgefunden hat – und sich gegebenenfalls auf weitere Abstinenzauflagen einstellen.
Fazit
Die Blutuntersuchung ist ein wichtiger Baustein bei der Einschätzung der Fahreignung – sowohl im akuten Fall als auch im Rahmen der MPU. Sie ermöglicht den objektiven Nachweis von Substanzkonsum oder dessen Folgen und liefert entscheidende medizinische Hinweise. Wer auffällig geworden ist, sollte die Bedeutung dieser Werte nicht unterschätzen – und frühzeitig eine MPU-Vorbereitung in Betracht ziehen, um das eigene Verhalten glaubhaft aufzuarbeiten.
